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DIE EMOTIONSSKALA: EIN EINFACHES, UNIVERSELLES HILFSMITTEL

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In der Erforschung von Schmerzen bei Kindern hat es Fortschritte gegeben und es entstehen immer mehr sinnvolle Initiativen zu ihrer Linderung. Trotzdem gibt es noch immer viel zu tun.

Aber wie sieht es mit der emotionalen Unterstützung für Kinder im Alltag aus?

Als Ergänzung zur therapeutischen Unterstützung haben die Mitglieder des Expertengremiums direkt untersucht, wie krebskranke Kinder sich fühlen. Die „Emotionsskala“ bildet das Rückgrat der Arbeit der Fondation La Roche-Posay für die pädiatrische Onkologie. Sie liefert eine solide Basis, auf deren Grundlage sinnvolle, hilfreiche Maßnahmen entwickelt werden können.

Die Herausforderung besteht darin, kranken Kindern zu helfen, die Emotionen, mit denen sie zu kämpfen haben, besser zu erkennen und auszudrücken.

Das Ziel besteht darin, Eltern und Pflegenden zu helfen, diese Emotionen im Alltag zu berücksichtigen und mit ihnen umzugehen, um die Behandlung reibungsloser zu gestalten und die alltägliche Lebensqualität des Kindes zu verbessern.

Kinder unter 5 Jahren: besser verstehen – besser helfen

Kinder unter 5 Jahren befinden sich noch in einer frühen Phase ihrer emotionalen Entwicklung. Daher fällt es ihnen ohnehin oft schwer, ihre Gefühle auszudrücken, selbst wenn sie nicht krank sind. Wenn sie jedoch gegen Krebs behandelt werden, werden sie in eine unbekannte medizinische Welt geworfen, die ihnen möglicherweise Angst einjagt. Das kann dazu führen, dass sie sich zurückziehen. *

Der Anthropologe und Soziologe David Le Breton, Professor an der Universität Straßburg und Projektleiter in der ersten Phase des Projekts „Emotionsskala“, kommentiert: „Kinder unter 5 Jahren haben den Spracherwerb noch nicht vollständig abgeschlossen und trauen sich oft nicht, ihre Gefühle auszudrücken.

Außerdem ist der Tod für diese Kinder oft noch etwas sehr Abstraktes, selbst wenn ihnen im Krankenhaus bewusst wird, dass etwas Tragisches mit ihnen geschieht. Sie reagieren sehr sensibel auf die Trennung von ihren Eltern. Deren Abwesenheit während der Entwicklung des Kindes kann ihr Vertrauen in die Welt und in Erwachsene im Allgemeinen schwächen. Oft fühlen sie, dass ihre Eltern Angst haben, und das macht ihnen selbst nur noch mehr Angst. Es fällt ihnen schwer, ihre Schmerzen zu beschreiben. Außerdem haben sie noch keine rechte Vorstellung von der Zukunft und leben eher im Augenblick. Um herauszufinden, wie sie sich fühlen, braucht es die Eltern und geeignete Techniken wie Zeichnen. Zum Beispiel: ‚Kannst du mir ein Bild davon malen, wovor du Angst hast?‘, ‚Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Zauberstab hättest?‘ oder ‚Wenn du etwas löschen könntest, was würdest du tun?‘“

Je mehr wir das Kind in dieser wichtigen Entwicklungsphase dabei unterstützen, seine Emotionen zu erkennen und auszudrücken, desto leichter fällt es ihm, harmonisch mit ihnen umzugehen.**

Wenn Familien und Pflegeteams mehr über den psychologischen Zustand von Kindern während einer Behandlung (Schmerzen, Angst, Nervosität, Stress, Traurigkeit, Isolation, Erschöpfung) erfahren, können sie sie natürlich besser unterstützen und ihnen helfen, ihre Emotionen zu kontrollieren.

„Für mich geht das Verständnis der Emotionen und Gefühle kleiner Kinder, die an Krebs leiden, Hand in Hand mit der Behandlung ihrer Erkrankung.“
Dr. Étienne Seigneur, Kinderpsychiater, Institut Curie

Kinder, Eltern, Pflegende: Vorteile eines gemeinsamen Hilfsmittels

Der Prozess, der dem Kind mit der Emotionsskala angeboten wird, schafft Offenheit und Verständnis für andere: eine Brücke, die Gespräche erleichtert und eine vertrauensvolle Umgebung für die jungen Patienten schafft. Dieses Hilfsmittel, das für Kinder, Eltern und Pflegende gleichermaßen nützlich sein soll, soll ihnen die Kommunikation erleichtern. Es ist einfach, leicht anzuwenden und für Kinder jeden Alters und aus allen Kulturkreisen geeignet.

Außerdem ermöglicht es den Gesundheitsfachleuten, die Unterstützung und Informationen, die sie jeden Tag liefern, entsprechend anzupassen. Auf der Grundlage dieser Emotionsskala können Maßnahmen und Empfehlungen entwickelt werden, die kranken Kindern helfen, effektiver mit ihren Emotionen umzugehen.

Die Emotionsskala: ein sorgfältig konstruiertes Projekt

Die erste Phase der Vorbereitung, in der die vorhandene Literatur und die bei Gesprächen mit Eltern und Gesundheitsexperten sowie durch Kinderzeichnungen erhobenen Daten ausgewertet werden, wird von dem Anthropologen und Soziologen David Le Breton und seinem Wissenschaftlerteam durchgeführt.

2019 wird die Skala im Rahmen einer klinischen Forschungsarbeit gemeinsam mit einer Kooperation von Unicancer und AFSOS für die anschließende Bewertung, Veröffentlichung und letztendlich ihre Umsetzung konzipiert.

Unicancer und AFSOS haben für die Durchführung und Validierung des Projekts (im Rahmen des Jardé-Gesetzes zur klinischen Forschung) eine gemeinsame Forschungsgruppe ins Leben gerufen: die Unicancer-AFSOS Intergroup. Ihre Aufgabe ist es, die erste Version des Hilfsmittels umfassend zu bewerten.

Mitglieder der Projektarbeitsgruppe

David Le Breton
Anthropologe und Soziologe, Universität Straßburg, Mitglied des USIAS (Institut für weiterführende Studien an der Universität Straßburg) und sein aus fünf Wissenschaftlern bestehendes Team

Dr Dominique Valteau-Couanet
Pädiatrische Onkologin, Leiterin der Forschungsabteilung für Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, Präsidentin des Wissenschaftsrates der SFCE (Französische Gesellschaft für Krebserkrankungen bei Kindern)

Dr Étienne Seigneur
Kinderpsychiater, Abteilung für pädiatrische Onkologie, Institut Curie, Schatzmeister der SFPO (Französische Gesellschaft für Psycho-Onkologie)

Prof Ivan Krakowski
Medizinischer Onkologe, Schmerzspezialist, Institut Bergonié, Gründungspräsident des AFSOS (französischsprachiger Verband für unterstützende Pflege bei Krebserkrankungen)

Catherine Vergely
Generalsekretärin der UNAPECLE (Nationale Union der Verbände von Eltern mit an Krebs oder Leukämie erkrankten Kindern)

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