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ELTERN-KIND-MASSAGE EMOTIONSBEZOGENE THERAPIE DURCH BERÜHRUNG

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Der Tastsinn ist einfach, hat aber einen enormen Einfluss. Daher haben die Mitglieder des Expertengremiums den Grundstein für ein Massageprogramm speziell für krebskranke Kinder gelegt. Es ist so konzipiert, dass die Familien es ohne Hilfe von Außen umsetzen können, und soll die Eltern-Kind-Bindung durch gemeinsame Momente stärken.

„Mit diesem ehrgeizigen Programm vermitteln wir den Eltern echte Fähigkeiten. Vor allem stärken wir aber die Bindung, die oft unter dem Auftreten schwerer Erkrankungen leidet.“
Marie Thérain, psychomotorische Therapeutin, Hämatologie/Onkologie,
Armand-Trousseau-Krankenhaus

Neuer Zusammenhalt für betroffene Familien

Angesichts der Übermedikalisierung des Umfeldes Ihrer jungen Kinder fühlen Eltern sich oft ihrer Rolle enthoben, manchmal sogar machtlos, und haben Angst, sich ungeschickt zu verhalten. Diese Vorsicht, gepaart mit dem – bewussten oder unbewussten – Wunsch, sie zwischen all den Injektionen, Untersuchungen und anderen Verfahren allein zu lassen, kann eine physische Distanz schaffen und so zu einer erheblichen Isolation führen, die weder erwünscht noch ratsam ist.

„Nach ihrer Knochenmarkstransplantation durfte ich meine Tochter monatelang nicht anfassen – das war streng verboten!
Ich habe gesehen, dass es ihr schlecht ging, und konnte sie nicht in den Arm nehmen oder auch nur ihre Hand halten …
In dieser Zeit fühlen wir uns alle sehr isoliert.“

Ruth Hoffman, Präsidentin von CCI

Eine emotionale Auszeit für mehr Lebensqualität: wohltuende Massagen

Wir wissen, dass Berührungen für Neugeborene vom ersten Moment an lebenswichtig sind, weil sie ihre körperliche und geistige Entwicklung fördern. Neben ihrer Schutzfunktion ist unsere Haut auch ein großartiges Kommunikationsmedium. Weil Berührung wechselseitig ist, gibt sie der Haut ihre verbindende, beruhigende Funktion zurück. Der Tastsinn ist als einziger Sinn reflexiv (berühren heißt immer auch berührt werden). Daher kann eine Massage dem Massierenden ebenso guttun wie dem Massierten.

Neben der Stärkung der familiären Bindungen besteht das Ziel darin, das Kind entspannter durch die Behandlungszeiträume zu bringen. Es hat sich bewährt, Massagen in der Therapie zu nutzen: Sie lindern Stress, Schmerzen, Übelkeit und Erschöpfung. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Massagen die Lebensqualität ebenso wie den körperlichen und emotionalen Zustand von Kindern während einer Behandlung verbessern können. 1, 2, 3

Die Eltern können dabei durch eine kurze, liebevolle Massage wieder vollständig in ihre Rolle eintauchen. Es geht nicht darum, eine bestimmte Pflegeleistung zu erbringen. Es ist einfach ein liebevoller Moment, in dem sie mit ein paar Massagetechniken einfach wieder Eltern sein können.

„Der Garten“, „Die Ameisenfarm“, „Drei Herzen“ … Eine sanfte Massage, die einfach glücklich macht

Nachdem sie diese Vorteile erkannt hatte, dachte die Projektarbeitsgruppe über geeignete Möglichkeiten nach, krebskranken Kindern, unabhängig vom Stadium ihrer Erkrankung, Massagen zugänglich zu machen. Nach umfangreicher Literaturrecherche und zahlreichen Besprechungen, in denen Techniken und Hintergründe erarbeitet wurden, um Risiken zu minimieren, entwickelten sieben Experten (eine Soziokosmetikerin, eine Krankenschwester, eine Kinderkrankenschwester, eine Tänzerin, eine psychomotorische Therapeutin und eine Physiotherapeutin) ein „Eltern-Kind-Massageprogramm“, das auf sanften Techniken und einem schützenden, beruhigenden, einfachen und angenehmen Ansatz beruht.

Bei den als „Der Garten“, „Drei Herzen“, „Pandaaugen“, „Die Schlange“, „Die kleine Ameisenfarm“ und „Die Lokomotive“ bezeichneten Techniken drücken die Eltern ihre Hände – weder zu fest noch zu sanft und weder zu schnell noch zu langsam – auf Arme und Hände, Beine und Füße, Rücken, Gesicht und Kopf des Kindes.

Ein lustiges Brettspiel dient dabei als Anleitung, um die Eltern und ihre Kinder in die richtige Stimmung zu versetzen und von der distanzierten medizinischen Sprache wegzuführen. Gleichzeitig gibt es wichtige Hinweise, was zu beachten ist. Jede Karte beschreibt die Massage in allen Einzelheiten und ein spezieller bunter Aufkleber zeigt, ob sie für Babys geeignet ist.

Das Spiel wurde für den internationalen Markt entwickelt und kann von unterschiedlichen Familien aus allen Kulturkreisen gespielt werden.

„Mama hat meine Bewegungen an dem einen Arm verfolgt und versucht, sie gleichzeitig am anderen Arm nachzumachen.
Juliane hat sich sofort beruhigt und völlig entspannt, fast so, als würde sie einschlafen.
Danach wurde es mit der „Ameisenfarm“ wieder etwas lebhafter. Zusammen mit Papa, der ganz stolz und emotional war, sind wir zu den Beinen übergegangen. Es wurde gelacht und geweint. Am Ende hatten wir etwas anderes gemeinsam als die Krankheit und die Intensivpflege!“

Isabelle Landeau, Kinderkrankenschwester, Mantes-la-Jolie-Krankenhaus

Von Pflegenden an die Eltern: Tests und Umsetzung

Im Dezember 2018 führten die Mitglieder der Arbeitsgruppe fünf Testsitzungen in Pilotzentren durch, um Feedback von den Kindern und ihren Familien einzuholen und die Programminhalte bei Bedarf zu verfeinern.

Die Eltern lernen die Massagetechniken von Fachkräften aus Gesundheitseinrichtungen. Zwei freiwillige Pflegende, die selbst mit den Techniken aus dem Programm vertraut und echte Experten in dem Bereich sind, können die Eltern mit dieser für sie oft neuen Erfahrung vertraut machen und anleiten. Außerdem stehen hilfreiche Lernvideos zur Verfügung.

2019 wird das Programm auf nationaler Ebene in Zusammenarbeit mit der FHF und Unicancer in Gesundheitseinrichtungen in größerem Umfang umgesetzt, bevor es anschließend für den internationalen Markt weiterentwickelt wird.

Mitglieder der Projektarbeitsgruppe

  • Marie Thérain, psychomotorische Therapeutin, Armand-Trousseau-Krankenhaus
  • Isabelle Landeau, RN, Kinderkrankenschwester, Mantes-la-Jolie-Krankenhaus
  • Lise Vigneau, Physiotherapeutin, Armand-Trousseau-Krankenhaus
  • Valérie Petit, Tanzlehrerin
  • Élodie Desmoulins, RN, Uniklinik Toulouse
  • Gwenaelle de la Marque, RN, Uniklinik Toulouse
  • Aurélie Delabre, Soziokosmetikerin

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