642

643

Spätfolgen der Behandlung

Img_icone_puzzle

Die medizinische Behandlung von Krebserkrankungen bei jungen Menschen wird von Jahr zu Jahr besser. Immer mehr von ihnen überleben die Krankheit, setzen ihre Schullaufbahn fort und erreichen das Erwachsenenalter.

Nachsorge

Die Eltern, das medizinische Behandlungsteam, Lehrer und andere Ausbildende sollten sich darüber im Klaren sein, dass die medizinische Behandlung von Krebserkrankungen im Kindesalter Spätfolgen haben kann. Daher sollten sie sich Strategien überlegen, wie sie dem Schüler helfen, mit Lernbehinderungen umzugehen.

Bei einer Chemotherapie oder Strahlentherapie werden neben den Krebszellen auch normale Zellen geschädigt. Einige Kinder erholen sich vollständig davon, aber bei anderen bleiben Probleme zurück.

Sie haben es möglicherweise mit Kindern zu tun, die vor vielen Jahren, vielleicht sogar schon vor der Einschulung, gegen Krebs behandelt wurden. Es ist wichtig, dass Schulen diese Informationen an die nachfolgenden Bildungseinrichtungen weitergeben, da die Probleme manchmal erst Jahre später zutage treten.

Spätfolgen, auf die Sie achten sollten

Die kraniale Bestrahlung (Bestrahlung des Gehirns), die bei Gehirntumoren und einigen besonders riskanten Formen der Leukämie vorgenommen wird, bringt ein erhöhtes Risiko von Lernschwierigkeiten mit sich. Bei einigen Kindern wurde in IQ-Tests (10–20 Punkte) und bei schulischen Leistungstests einen deutliche Verschlechterung festgestellt. Insbesondere wurden Schwierigkeiten mit der Hand-Augen-Koordination, dem Gedächtnis, der Aufmerksamkeit sowie den motorischen Fähigkeiten festgestellt. Nonverbale Fähigkeiten, z. B. das abstrakte Denkvermögen, das räumliche Sehvermögen und die mathematischen Fähigkeiten, werden bei der kranialen Bestrahlung und der intrathekalen Chemotherapie (Chemotherapie, welche in den Spinalkanals der Wirbelsäule verabreicht wird) besonders leicht in Mitleidenschaft gezogen.

Allgemeine Lernschwierigkeiten können sich durch Schwierigkeiten bei folgenden Aspekten äußern:

  • Lesen (und Verständnis)
  • Rechtschreibung
  • Handschrift (Unfähigkeit, sauber oder schnell zu schreiben)
  • mathematische Konzepte, bei denen das Kurzzeitgedächtnis angesprochen wird, z. B. „Einmaleins“
  • Aufmerksamkeitsspanne oder Konzentration: Kinder können hyperaktiv oder unaufmerksam sein
  • Speicherung neuer Informationen im Kurzzeitgedächtnis und Abruf daraus

Es ist ratsam, alle Kinder, bei denen diese Behandlungen vorgenommen wurden, jährlich neuropsychologisch zu untersuchen.

Oft verschärfen sich Lerndefizite mit der Zeit, aber durch eine effektive Untersuchung und angemessene Intervention können die Auswirkungen auf den Lernerfolg minimiert werden.

Langfristige körperliche Nebenwirkungen

Andere körperliche Beeinträchtigungen, bei denen es sich um langfristige Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung im Kindesalter handeln kann, sind unter anderem hormonelle Störungen, die zu verzögertem Wachstum oder frühzeitigem oder verspätetem Einsetzen der Pubertät führen, Hörschäden, Unfruchtbarkeit, Schäden am Herzen oder Probleme mit der Lunge, den Zähnen, den Nieren oder den Augen. All diese Beeinträchtigungen müssen überwacht und weiter behandelt werden. Es ist wichtig, dass die Schule die Eltern darauf hinweist, wenn sie derartige Probleme feststellt.

Menschen, die als Kind Krebs hatten, haben ein erhöhtes Risiko für weitere Malignitäten. Für die Kinder und ihre Familien stellt es eine weitere Belastung dar, mit der Angst vor einem Wiederauftreten der Krankheit oder einer erneuten Krebserkrankung zu leben.

Risiko psychologischer Probleme

Neueste Forschungen haben gezeigt, dass Menschen, die eine Krebserkrankung im Kindesalter überlebt haben, deutliche größeren psychologischen Risiken unterliegen als Betroffene anderer chronischer, jedoch nicht lebensbedrohlicher Krankheiten. Auch bei Geschwistern krebskranker Kinder besteht ein erhöhtes Risiko psychologischer Probleme. Wenn Sie das wissen, fallen Ihnen Verhaltensänderungen ggf. eher auf. Auch diese Probleme können durch Früherkennung und eine rechtzeitige Intervention minimiert werden.

War dieser Artikel hilfreich?